Montag 21. Mai 2018
Salvatorianer in Österreich und Rumänien
  • Das ist das ewige Leben:
    Dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.

Fastenzeit-Aktion der Salvatorianer in der Michaelerkirche

 

Menschenhandel ist auch eine Anfrage an mich und nicht nur die anderen

 

Am 12. Februar fand im Salvatorianerkloster St. Michael das Pressegespräch zur Fastenzeit-Aktion der Salvatorianer zum Thema Menschenhandel statt. Für die Dauer der Fastenzeit stellen die Salvatorianer die offene Kirche St. Michael zur Verfügung, um KünstlerInnen von 14. Feburar bis 29. März Raum zu geben, sich mit dem Thema „Menschenhandel“ kreativ auseinanderzusetzen. Zentral ist sicher das Fastentuch der Künstlerin Zhanina Marinova das beinahe den gesamten Altarraum bedecken wird. Entstanden ist das Projekt in einer Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst Wien.

 

P. Erhard Rauch, Pfarrer St. Michael gibt zu bedenken: „Warum braucht es Initiativen gegen Menschenhandel und noch dazu in einer Kirche? Wir haben das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe. Aber was mache ich, wenn andere das nicht wollen? Welche Möglichkeiten habe ich, hier korrigierend einzugreifen? Ein solcher Gedankengang bringt mich aber bereits in eine Opposition zwischen dem „Ich wäre ja gut“ und „der andere ist leider oft böse!“ Es gilt die Aussage Jesu: „Was ihr dem geringsten meiner Brüder (und Schwestern) getan habt, das habt ihr mir getan.“ Im Menschenhandle wird Gott selbst verkauft, geschunden und gedemütigt. In unseren Familien, im Freundeskreis, in Partnerschaften gelingt es uns schon, bedingungslose Liebe zu erfahren und zu lebe. Oft schaffen wir es aber nicht, diese Einstellung zu „den anderen“ zu denen, die außerhalb meiner erkannten Lebensordnung stehen, in gleicher Weise hinüber zu retten. Gilt das auch für die Täter? Könnte ich den Tätern auch einen der geringsten meiner Brüder sehen? Können sie nicht leiben, weil sie auch selbst nie geliebt wurden? Von Mahatma Gandhi wird erzählt, dass er einem hinduistischen Vater, dessen Sohn von einem Muslim ermordet wurde, den Rat gibt, ein muslimisches Kind aufzunehmen und es als Muslim zu erziehen. Nur so könne die Gewalt des Bösen überwunden werden. Menschenhandel ist auch so eine Anfrage an mich und nicht nur die anderen.“

 

Manu Nitsch

 

Prof. Katharina Beclin, Kriminologin und Sprecherin der Plattform gegen Ausbeutung und Menschenhandel beschreibt deren Zweck folgendermaßen: Die Plattform dient der Vernetzung von staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen sowie ExperInnen, mit dem Ziel, Vorschläge zur Prävention von Menschenhandel und zur Unterstützung von Betroffenen zu erarbeiten und umzusetzen. Für dieses Ziel fördert die Plattform Bildungsarbeit und andere bewusstseinsbildende Maßnahmen und initiiert und unterstützt politische Initiativen, die der Ausbeutung von Menschen entgegenwirken (gegenmenschenhandel.at). Gegründet wurde sie aus einer Initiative von Lukas Korosec, dem Missionsprokurator der Salvatorianer, mit Unterstützung von Barbara Filek, der Leiterin der Pfarrcaritas und Nächstenliebe Wien heraus.

 

Magdalena schauer

 

Auf die Frage, ob politisches Lobbying momentan notwendig sei antwortet Beclin mit Nachdruck: „Notwendiger denn je, weil ich habe mir das Regierungsprogramm angeschaut und da sieht man dass vieles in die falsche Richtung läuft. ArbeitnehmerInnenschutz soll zurückgenommen werden, Bestrafung wegen Sozialdumping wird hinterfragt weil es angeblich Wettbewerbsnachteile gegenüber ausländischen Unternehmen bringen soll, der Arbeitsmarktzugang soll weiter verschärft werden, die Mindestsicherung soll gekürzt werden- was ja schon ein Widerspruch in sich ist- Das sind alles Maßnahmen die dazu führen dass Menschen noch leichter ausgebeutet werden können, denn wenn Menschen nicht überleben können aus eigener Kraft, dann sind sie darauf angewiesen illegale Arbeit anzunehmen und sind auch diesen ArbeitgeberInnen ausgeliefert.“

 

Opfer in Form von nackten Leibern inmitten von Chaos - "unsichtbare" Personen, weil "verborgen vor den Augen der Gesellschaft und mit ihrem "Körper als Währung" - zeigt Zhanina Marinova in ihrem Fastentuch. Die Künstlerin selbst ist Studentin an der Angewandten in Wien und erklärt Ihre Intentionen: „Für mich war es sehr interessant einerseits auf so einem großen Format und dann noch für ein so wichtiges Thema zu arbeiten. Menschenhandel ist überall Thema, es wirkt immer und es geht auch immer weiter." Sie schuf es während einer Woche, berichtete sie; wegen der 55 Quadratmeter Malfläche könne sie es erst nach der Altarverhüllung am Aschermittwoch in vertikaler Lage sehen. "Es war ein besonderes Gefühl auf dieser riesigen Leinwand am Boden zu arbeiten", sagte die Künstlerin. "Man muss wirklich kräftig dafür sein, denn es nimmt einem Energie. Außerdem war es in dem Offspace in dem ich insgesamt 10 Tage daran gearbeitet sehr kalt. Aber es war ein sehr spezielles Gefühl: Ich bin auch eine Ausländerin und es ist immer anders, wenn man in eine neues Land kommt und man gefragt wird warum man hier leben und arbeiten möchte."

 

Bis zum Ende der Fastenzeit sind in der Michaelerkirche auch Werke von Elke Krystufek, Lucia Riccelli, Jerson Jimenez, Vivien Kabar u.a. zu sehen, die käuflich erworben werden können.

 

Manu Nitsch

 

Die Eröffnung des Projekts findet am Aschermittwoch, 14. Februar 2018 um 18:00 in der Michaelerkirche im 1. Bezirk statt. Im Rahmen der Eucharistiefeier wird das Aschenkreuz aufgelegt und das Fastentuch und die Ausstellung eröffnet. Anschließend gibt es eine Führung mit der anwesenden Künstlerin Zhanina Marinova.

 

Das Statement von P. Erhard Rauch zum Nachhören als MP3

Das Statement von Zhanina Marinova zum Nachhören als MP3

Das Statement von Katharina Beclin zum Nachhören als MP3

 

„Barmherzigkeit des Herrn ist es, wenn wir in den Himmel kommen“


 

 

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