
P. Josef Wilfings #Inselpost Nr. 32: Zwischen Taifunen, Berufungen und Weihnachtsfreude
Liebe Freunde und Bekannte,
dieser Brief sollte Ende November des Vorjahres geschrieben worden sein. Aber Papier ist geduldig und so ist der Computer. Es war eine herausfordernde Zeit seit dem letzten Brief. Der Übergang von der früheren zur neuen Leitung des Vikariates bedurfte einer eine große Zahl erneuerter Dokumente. Abgesehen davon durchlebten wir von August bis Dezember mehrere regenreiche Perioden, die sich bisweilen über zehn Tage erstreckten. Ein Taifun folgte dem anderen. Wenn man im sonnigen Süden für mehr als zehn Tage keine Sonne sieht, wird das manche überraschen. Wir leben abseits der Bereiche, die üblicherweise von Taifunen heimgesucht werden. Einer der Taifune brachte allerdings doch mehr Regen als üblich. Manchmal sind diese wegen ihrer Windstärke gefährlich, ein andermal, weil sie sich nur langsam vorwärtsbewegen und daher viel Regen in einzelnen Regionen fallen lassen.
Einer der Taifune hat auf der Insel Cebu heftige Überschwemmungen verursacht. Die Eltern von P. Florencio leben dort. Soweit ich herausfinden konnte, waren die Niederlassung und die Schule der Salvatorianerinnen nicht betroffen. Bereits bei einem der vorhergehenden Taifune waren Politiker und Unternehmer beschuldigt worden, die bereits bezahlten Schutzprojekte nicht ausgeführt zu haben. Diese Nachlässigkeit geht Jahre zurück und man kann nicht einmal genau sagen, welche Regierung diesen Mangel hat durchgehen lassen. Unsere Häuser spürten nur den stärkeren Regen, waren aber nicht geschädigt.
Salvatorianische Feiern
Am 10. September wurde P. Jeremias in der Pfarrei von General Trias zum Priester geweiht. Er ist der zweite Salvatorianer von Ost-Timor, dem die Weihe erteilt wurde. Der erste, P. Gabriel, ist seit einigen Monaten in Temesvar und unterstützt den Pfarrer P. Istvan (Pisti) aktiv. P. Jeremias ist der Einheit in Indonesien zugeordnet. Diese winzige Pflanze braucht noch viel Unterstützung. Ursprünglich war sie direkt dem Generalat unterstellt, ist aber durch das neue Generalat wieder dem Vikariat auf den Philippinen zugeordnet worden.

Nach der Weihe: P. Jeremias mit Bischof Reynaldo von Imus; links Br. Seven (Viet), rechts P. James (Phil), dahinter P. Paul (Viet). (c) P. Josef Wilfing
Eine größere Feier fand an unserem Gründungstag statt. Es hatten sich nicht nur alle Mitglieder des Vikariates in unserem Haus versammelt, sondern zu den Gästen gehörten die die Schwestern- und Kandidatinnen-Gemeinschaft in Buho. Erstmals waren auch die neu angekommenen Aspirantinnen aus Indonesien und Ost-Timor mit dabei. Mit uns gefeiert hat auch die kleine Gruppe der Laiensalvatorianer:innen.

Am Gründungstag mit den Salvatorianerinnen: Sr. Alona, Novizenmeisterin, Sr. Adel, für die Kandidatinnen, Sr. Olimpia ist Assistentin, die auch in Österreich bekannt ist. Drei Postulantinnen von Vietnam, je zwei Kandidatinnen von Indonesien und Ost-Timor. (c) P. Josef Wilfing
Talon
Brother Ramel, der bereits einige Jahre als Lehrer gearbeitet hatte, ist seit September bei uns im Haus.
Er muss nicht mehr alle Gegenstände am College belegen. Er nutzte einen Teil seiner freien Zeit, um den Raum vor und neben dem Haus neu zu gestalten. Das Glück, dass alles so schnell wächst, hat auch den Nachteil, dass alles schnell überwuchert ist und einer ständigen Betreuung bedarf. Der Bereich vor und neben dem Haus ist meiner Ansicht nach jetzt wirklich sehenswert gestaltet. Ich bin ein geborener Nicht-Gärtner.
Ost-Timor
Die Sekretärin der Botschaft, ihr Mann (der Botschafter in Kambodscha), ihre Kinder und zwei Angestellte. Die Botschaft von Ost-Timor kümmert sich um ihre Studenten, die eine Universität auf den Philippinen besuchen. An einem Tag nach Weihnachten haben sie unsere Studenten von Manila und Talon zu einem Mittagessen und zu Unterhaltung mit Spielen eingeladen. Bis jetzt waren sie schon einige Male bei uns im Haus, jeweils mit der aktuellen Besatzung.
Zum Jahresbeginn hat die Altjugend ein Fest für die Kinder und Jugendlichen der anderen Gruppen organisiert. Es dauerte von morgens acht Uhr bis nachmittags 16 Uhr. Soweit ich etwas wahrnehmen konnte, haben sich alle sehr gut amüsiert. Und einige konnten durch die Wettspiele auch einige Preise mit nach Hause nehmen.
Essen 2
Zum Einkauf gehe ich mit dem Koch. Wir zahlen üblicherweise gleich viel für Schweinefleisch wie für Gemüse, und weniger als die Hälfte davon für Fisch. Der Großteil der Fische wird im nahegelegenen Taal See (der See rund um den kleinen aber gefährlichen Vulkan) gezüchtet(!). Was kommt auf den Tisch? Darüber schreibe ich das nächste Mal. Ich hatte kaum Kapazität mich um diese Dinge zu kümmern. Keine Sorge, ich nehme nicht ab. Im Notfall gibt es in der Nähe die Filiale eines Schweizer Geschäftsmannes, die ausländische Produkte anbietet, inklusive höchst unnotwendige Dinge wie das Pelegrino-Mineralwasser, das einige vielleicht von Aufenthalten in Italien kennen. Ich gehe manches Mal dahin, um Brot zu kaufen, das auf den Philippinen nach europäischen (und nicht amerikanischen) Rezepten gebacken wird. Das ist für die Jause oder Merienda, wie es hier heißt.
Tanza
Ich helfe weiterhin an manchen Wochenenden in dieser Pfarre. Die Tochter des Pfarrchauffeurs war zur Miss Philippines International gewählt worden und hat vor ein paar Tagen die Krone der Miss Asia International gewonnen. Sie kommt zur Messe, wenn sie da ist, und verstärkt den Chor. Sie selbst unterrichtet Musik an einer Musikhochschule. Wenn es stimmt, dass die Pfarre 70.000 (so genau weiß man das nicht) Bewohnerinnen und Besucher hat und etwa 80 Prozent Katholiken sind, dann bewegt sich der Messbesuch bei etwa zehn Prozent. Aber die Kirche und die Kapellen sind voll, auch wenn die Kapellen nur nach und nach bis zum Ende des Gottesdienstes füllen.
Wenn ich die Messe habe, dann sagt man, dass die Leute pünktlich sein sollen, weil ich meist pünktlich komme. Es gibt wie überall auf den Philippinen viele kleine protestantische und andere Denominationen, viel Engagement der Adventisten und die allgegenwärtige Iglesia ni Kristo, die eine philippinische Gründung ist. Sie ist streng organisiert, inzwischen in zumindest zwei Zweige gespalten entsprechend den männlichen Nachkommen des Gründers. Ihre Versammlungshallen sind von außen durch unterschiedliche Farbgebung (creme und hellblau) erkennbar.
Im Pfarrgebiet von Tanza befindet sich auch die Müllhalde, von der etwa 50 Familien leben oder besser gelebt haben. Einigen ist der Ausstieg gelungen, nachdem sie mit Unterstützung der Pfarre oder der Ursulinen ein Studium abschließen konnten. Weil diese Berufe besser bezahlt sind, holten die jungen Leute auch ihre Familie heraus. Einige haben aber das Studium oft erst vor dem letzten Semester unvollendet abgebrochen.
Inzwischen wurde die Müllhalde von der Gemeinde geschlossen, weil der Berg schon zu hochgewachsen war. Damit fällt die wichtigste Einkommensquelle dieser Familien weg. Einigen wurden kleine Häuser in einer nahegelegenen Siedlung angeboten, die von einer caritativen Organisation betrieben wird. Die Männer hätten dort allerdings das Spielen und Trinken aufgeben müssen. Einige haben wohl Arbeit außerhalb, aber die meisten sind von Hilfe abhängig, die durch die Pfarre, die Steyler Missionare und die Ursulinen gegeben wird.
Weihnachten auf den Philippinen
Weihnachten erstreckt sich auf den Philippinen über die „-ber-Monate“ und beginnt am 1. September in den Einkaufszentren. Künstliche Tannen mit Schnee, der Coca-Cola Weihnachtsmann mit seinem Rentier sind allgegenwärtig. In den Geschäften werden durchwegs Weihnachtslieder gespielt von „I’m dreaming of a white Christmas“ bis zu „Stille Nacht“. Das hält durch bis zu den Weihnachtsfeiertagen.
Die kirchliche Vorbereitung beginnt mit dem Advent. Bei den Liedern im Gottesdienst wird wenig zwischen Advents- und Weihnachtsliedern unterschieden. Es dominieren eher die Weihnachtslieder, weil es nur wenige Adventslieder gibt.
In den letzten neun Tagen vor Weihnachten werden die sogenannten Simbang Gabi-Messen gefeiert, die auch Misa de Galyo oder Misa Aguinaldo bezeichnet werden.
Diese Messen werden am frühen Morgen aber wegen des großen Bedarfs auch am Vorabend gefeiert. Da das auch die normalen Arbeitstage betrifft, sind die Messen sehr früh am Morgen angesetzt. Die frühste beginnt bereits um vier Uhr, die zweite folgt um sechs Uhr im nächsten Barangay. Am Abend werden wieder zwei Messen angeboten, um sechs Uhr und acht Uhr, jeweils in verschiedenen Barangays.
Der Messbesuch übersteigt den Sonntags-Messbesuch um 50 bis 100 Prozent. In einer Subdivision wird regelmäßig die Straße vor der Kapelle abgesperrt und mit diesen allgegenwärtigen Plastikstühlen bestückt. 150 Personen in der „Kapelle“ und mindestens ebenso viele davor und auf der Straße. Der Vier-Uhr-Messe in der Pfarrkirche wohnen etwa 500 Personen bei. Eltern kommen mit ihren schlafenden Kindern am Arm. Wem es irgendwie möglich ist, der will an diesen Messen teilnehmen.
Nach dem Weihnachtsfeiertag normalisiert sich der Messbesuch. Es werden nicht nur die Priester in der verschiedenen Seminarien – wie ich – angefragt, sondern es helfen auch Theologiestudenten mit einem „Bible-Service“, um die Leute auf Weihnachten vorzubereiten.

Das ist der Straßenbereich. Im Vordergrund der Zaun vor der Kapelle. Dieser Bereich ist ebenfalls gefüllt ist, wie auch die Kapelle selbst. (c) P. Josef Wilfing
Und zufällig: Bei einem der Gespräche nach der Messe wurde ich in meiner Herkunft verunsichert. Eine dort aktive Frau sagte, dass ich sie an ihren Vater erinnern würde. Dieser war von seinen Eltern her halb Chinese und halb Spanier. Bis jetzt weiß ich von meiner Herkunft nur Eibesthal und dass sich die Wurzeln irgendwo in der Geschichte Wetzelsdorfs verlieren.
Philippinen
Die Spannungen mit China bestehen weiterhin aber zum Großteil unterhalb des Radars der westlichen Presse. Hin und wieder gibt es einen diplomatischen Protest von einer der beiden Seiten über die Aktivitäten der anderen in der Westphilippinischen See oder im südchinesischen Meer. Ich persönlich hoffe, dass sich der Konflikt nicht ausweitet. Momentan scheint Taiwan im Fokus von China zu sein.
Die Innenpolitik ist von zwei Themen dominiert: Korruption und ein Impeachment-Verfahren gegen die Vizepräsidentin, die Tochter des früheren Präsidenten. Präsident und Vizepräsidentin sind mit dem Schlagwort „Einheit“ in den Wahlkampf gezogen. Diese Einheit hatte allerdings nur wenige Monate gehalten. Der Vizepräsidentin wurde das Erziehungsministerium übergeben und nicht, wie sie wollte, das Verteidigungsministerium.
Ich wünsche euch viel Glück und Segen im neuen Jahr. Bleibt gesund und zuversichtlich!
P. Josef,
Talon (Amadeo, Philippinen) am 14. Januar 2026
PS: Die Oberbank hat mir das Konto gekündigt. Daher, bitte, nichts mehr dorthin überweisen. Vielen Dank an alle, die das Konto benutzt haben.



