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P. Márton Gál: „Ich schaue nach einem Jahr mit Dankbarkeit zurück und mit Zuversicht nach vorn.“

„Die Flitterwochen sind vorbei – jetzt geht es ans Weitermachen“

13.02.2026

P. Márton Gál blickt auf sein erstes Jahr als Pfarrmoderator von St. Michael und Provinzial der Salvatorianer zurück.

Nach einem Jahr als Pfarrmoderator in St. Michael und gleichzeitig Provinzial der Salvatorianer fragen mich immer noch Leute, ob das nicht zu viel sei. Meine Antwort: Es ist nicht zu viel. Es ist machbar. Man muss sich nur die Zeit gut einteilen. Was früher drei oder vier Leute erledigten, versuche ich nun allein zu bewältigen. Es geht – es ist eine Frage der guten Organisation. Und des Gottvertrauens.

 

Gemeinsam statt einsam

Ich trage diese Doppelbelastung nicht allein. Ich habe gute Mitbrüder, auf die ich mich verlassen kann. Dazu kommen die Laiensalvatorianerinnen und Laiensalvatorianer sowie zahlreiche Ehrenamtliche in der Pfarre. Ohne dieses Netzwerk könnte ich die Verantwortung nicht stemmen. Was wir erreicht haben, ist nicht nur mein Verdienst, sondern unser aller Verdienst – der Pfarre und des Ordens gemeinsam.

 

Mein Leitspruch für diese Aufgabe: Der Kluge ist vorher klug, nicht nachher. Wer erst reagiert, wenn etwas schiefgelaufen ist, kommt zu spät. Dann entstehen Missverständnisse, schlechte Stimmungen. Vorausschauendes Handeln ist das Gebot der Stunde.

 

Gegen den Pessimismus

Wir leben in Zeiten, in denen Menschen viel zu negativ über die Zukunft denken. Das dürfen wir nicht. Wir müssen unser Gottvertrauen nicht verlieren. Unser Ordensgründer P. Jordan ist dafür ein anschauliches Beispiel. Er hat uns vorgelebt, keine Angst zu haben. Als seine geistlichen Söhne und Töchter sollen wir das nachleben.

 

Viele fragen mich, wie es um die Pfarre stehe. Ob nicht immer mehr Mitglieder wegstürben. Ich kann nur sagen: Es kommen viele nach. Immer wieder entdecken mich junge Familien und Erwachsene. Menschen mit einem tiefen Bedürfnis nach Gotteserfahrung, die sich neu mit Gott verbinden möchten. Und wenn sie einmal in St. Michael waren, kommen sie immer wieder. Besonders freut mich, dass es zunehmend Wiedereintritte in die Kirche gibt. Das sind gute, positive Lebenszeichen.

 

Stille Liturgie, volle Bänke

Bei Festgottesdiensten ist die Kirche stets brechend voll. Doch auch die Werktagsmessen ziehen Menschen an, die bewusst die stille, einfache Liturgie suchen – wo nicht viel herumgeredet wird, sondern wo sie in die Tiefe gehen können. Mir ist wichtig, nicht viele Worte zu machen, sondern Raum für Tiefe und Gebet zu lassen.

 

Ich habe große Hoffnungen für St. Michael. Das erste Jahr war ein Jahr des Kennenlernens. Ich habe die Menschen in St. Michael kennengelernt und umgekehrt. Diese Zeit ist nun vorbei. Ich sage manchmal, die „Flitterwochen“ sind zu Ende. Jetzt beginnt die Phase des gemeinsamen Weitergehens. Es geht darum, Verantwortung zu konkretisieren, Initiativen zu ergreifen und das Pfarrleben aktiv zu gestalten. Zu meiner Freude erlebe ich viele Ehrenamtliche, die selbst Ideen entwickeln und sagen: Ich möchte mitarbeiten, ich möchte etwas bewegen. Das erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.

 

Der Pfarrgemeinderat hat mich wohlwollend aufgenommen. Im vergangenen Juni haben wir einen Ausflug nach Temeswar gemacht, in meine Heimatgemeinde. So konnten mich die Pfarrmitglieder besser kennenlernen, besser verstehen. Sie wissen jetzt, wie ich denke. Und ich verstehe auch ihre Bedenken, Sorgen und Erwartungen besser.

 

Gemeinschaft vor Gebäude

In St. Michael gibt es natürlich Bauangelegenheiten, die erledigt werden müssen, manche Baustellen, auf die wir einen Blick halten müssen. Doch mir liegt etwas anderes mehr am Herzen: die Kirchengemeinde als Gemeinschaft. Wir müssen uns als Gemeinschaft mehr und mehr zusammenfinden. Einmal im Monat in die Kirche zu kommen, reicht nicht – dann verliert man den Draht. Neben den Gottesdiensten möchte ich schauen, dass wir auch außerhalb etwas miteinander unternehmen.

 

Die künstlerischen Aktivitäten, die in Zeiten von P. Wolfgang Worsch intensiv waren, sollen in neuer Form weitergehen. Wir müssen neu denken, jüngere Künstler ansprechen und wagen, ihnen Raum in der Kirche zu geben. Allerdings dürfen wir nicht wahllos sein: Viele Künstler:innen können mit der Kirche, mit dem Glauben wenig anfangen.

 

Das Amt des Provinzials

Neben der Pfarre trage ich als Provinzial Verantwortung für unsere Ordensgemeinschaft. Auch diese Aufgabe verstehe ich als Berufung. Sie fordert viel Präsenz, Zuhören und Reisen. In vielen Orden fehlt heute eine mittlere Generation, und das macht Übergänge schwierig. Umso mehr braucht es gegenseitiges Verständnis zwischen den Älteren und den Jüngeren und die Bereitschaft, Verantwortung zu teilen.

 

Mein Tagesablauf beginnt um 6:00 Uhr morgens. Um 7:00 Uhr folgt das Morgengebet, dann Arbeit: E-Mails bearbeiten, Kontakte pflegen, persönliche Begegnungen. Mir ist wichtig, dass ich mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern guten Kontakt halte, ihnen zuhöre und sie wahrnehme. Nachmittags versuche ich, Zeit für mich zu haben – zum Trainieren, Spazierengehen oder für Begegnungen mit Menschen, die mir wichtig sind. Um 18:00 Uhr steht der Abendgottesdienst an.

 

Dass ich häufig unterwegs bin, gehört zu meinem Dienst. Doch ich muss unterwegs sein. Erstens wegen meiner hohen Verantwortungen. Zweitens, weil ich ein Begegnungsmensch bin. Ich muss und möchte Menschen persönlich treffen, ihnen zuhören, sie wahrnehmen. Auch unsere Hausgemeinschaft in Temeswar braucht regelmäßige Besuche. Ich möchte den Mitbrüdern nahe sein, ihre Sorgen kennen und sie persönlich begleiten. Selbst unser Ordensgründer P. Jordan war ständig auf Reisen, nie wirklich im Mutterhaus. Seine Mitbrüder hätten wohl auch gesagt: Der ist immer unterwegs. Ich weiß, dass ich nicht allen immer gerecht werden kann. Aber ich versuche, mein Bestes zu geben und meine Verantwortung mit Ehrlichkeit und Vertrauen zu tragen.

 

Ausblick: Priesterweihe in Temeswar

Am 4. Juli 2026 wird Fr. Adrian Hafner in Temeswar zum Priester geweiht. Das ist ein besonderes Fest, auf das wir uns schon jetzt vorbereiten. Wir freuen uns sehr, dass einer unserer Mitbrüder zum Priester geweiht wird. Aber wir dürfen nicht vergessen: Mit der Priesterweihe werden wir nicht irgendwelche Hochwürdigen. Wir sind Salvatorianer und bleiben Salvatorianer. Wir sind zuerst einmal Mitbrüder. Und wir sind für die Menschen da.

 

So schaue ich nach einem Jahr mit Dankbarkeit zurück und mit Zuversicht nach vorn. Ich bin überzeugt: Wo Menschen im Glauben zusammenstehen, einander zuhören und Gott vertrauen, dort hat Kirche Zukunft.

 

Text: P. Márton Gál SDS

 


Der Artikel ist aus der Ausgabe 1/26 von "die Salvatorianer".

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