
Warum ist der Donnerstag vor Ostern "grün"?
In der Sprachwissenschaft werden mehrere Erklärungen diskutiert.
1. „Grün“ im Sinn von weinend oder klagend
Eine verbreitete etymologische Erklärung führt „Grün“ auf das althochdeutsche Wort grīnan zurück, das „weinen“ oder „klagen“ bedeutete. Demnach wäre der Gründonnerstag ursprünglich der „Greindonnerstag“, also ein Klage- oder Bußtag. Im Mittelhochdeutschen sind Formen wie „grîndonnerstag“ belegt. Sprachhistoriker gehen davon aus, dass sich die Bedeutung später lautgeschichtlich zu „Grün“ verschoben hat.
Quelle: Duden, Das Herkunftswörterbuch, Stichwort „Gründonnerstag“.
2. Liturgische Praxis der „Grünen“
Eine andere Deutung bezieht sich auf die alte kirchliche Bußpraxis. Büßer, die am Gründonnerstag wieder in die kirchliche Gemeinschaft aufgenommen wurden, galten als „die Grünen“, also als neu Aufblühende im Glauben. Diese Erklärung ist historisch belegt, wird jedoch in der Sprachwissenschaft weniger einheitlich vertreten.
Quelle: Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Stichwort „Gründonnerstag“.
3. Brauchtum mit grünen Speisen
Im Volksbrauchtum ist es in manchen Regionen üblich, am Gründonnerstag grüne Kräuter oder Spinat zu essen. Diese Praxis gilt jedoch als spätere volkstümliche Deutung und nicht als ursprüngliche Wortherkunft.
Quelle: Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache, Stichwort „Gründonnerstag“.
Zusammenfassend gilt in der Sprachwissenschaft die Ableitung von grīnan im Sinn von „weinen“ als die wahrscheinlichste Erklärung. Das Wort „Gründonnerstag“ hat demnach ursprünglich nichts mit der Farbe Grün zu tun, sondern mit der Buß- und Klagepraxis der frühen Kirche.
Der Gründonnerstag wird in den meisten Sprachen nicht mit „grün“, sondern mit dem letzten Abendmahl oder mit seiner liturgischen Stellung in der Karwoche verbunden. Hier ein Überblick über gebräuchliche Bezeichnungen:
Romanische Sprachen
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Spanisch: Jueves Santo („Heiliger Donnerstag“)
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Italienisch: Giovedì Santo („Heiliger Donnerstag“)
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Französisch: Jeudi saint („Heiliger Donnerstag“)
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Portugiesisch: Quinta-feira Santa („Heiliger Donnerstag“)
Diese Bezeichnungen betonen den heiligen Charakter des Tages in der Karwoche.
Englischer Sprachraum
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Englisch: Maundy Thursday
Das Wort „Maundy“ geht auf das lateinische mandatum zurück. Es bezieht sich auf das Wort Jesu beim letzten Abendmahl: „Ein neues Gebot gebe ich euch“ (Joh 13,34). In der lateinischen Liturgie beginnt der entsprechende Gesang mit „Mandatum novum do vobis“.
Quelle: Oxford English Dictionary, Stichwort „Maundy“; Vulgata, Joh 13,34.
Osteuropäische Sprachen
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Polnisch: Wielki Czwartek („Großer Donnerstag“)
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Tschechisch: Zelený čtvrtek („Grüner Donnerstag“)
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Slowakisch: Zelený štvrtok („Grüner Donnerstag“)
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Ungarisch: Nagycsütörtök („Großer Donnerstag“)
Interessant ist, dass im Tschechischen und Slowakischen wie im Deutschen die Bezeichnung „Grüner Donnerstag“ vorkommt, wobei die sprachgeschichtlichen Hintergründe unterschiedlich bewertet werden.
Skandinavische Sprachen
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Schwedisch: Skärtorsdagen
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Norwegisch: Skjærtorsdag
Hier bedeutet „skär“ beziehungsweise „skjær“ ursprünglich „rein“ oder „gereinigt“. Gemeint ist die Reinigung im geistlichen Sinn.
Insgesamt zeigt sich: Während der deutsche Name „Gründonnerstag“ sprachgeschichtlich umstritten ist, stellen die meisten anderen Sprachen entweder den „heiligen“ Charakter des Tages oder das Gedächtnis des letzten Abendmahls in den Mittelpunkt.



