
„Wege nach innen“: Ausstellung von Sr. Heidrun Bauer SDS eröffnet
Im Mittelpunkt des Abends stand ein ausführliches Gespräch zwischen Sr. Heidrun Bauer und Peter Maurer, Direktor des Bildungszentrums St. Bernhard. Dabei sprach die Künstlerin offen über ihren persönlichen Lebensweg, prägende Erfahrungen und ihren Zugang zu Kunst und Spiritualität.

Peter Maurer, Direktor des Bildungszentrums St. Bernhard, im Gespräch mit Sr. Heidrun Bauer SDS. (c) Salvatorianer/Manu Nitsch
Auf der Suche nach Sinn und Gotteserfahrung
Sr. Heidrun Bauer, die in Bad Erlach aufgewachsen ist, erzählte von einer bereits frühen Sehnsucht nach dem „Mehr“ im Leben. Obwohl der Glaube in ihrer Familie zunächst keine große Rolle spielte, fühlte sie sich schon als Kind von religiösen Bildern, Kirchenräumen und spirituellen Fragen angezogen. Einen tiefen Einschnitt bedeutete der frühe Tod ihrer Mutter, die im Alter von nur 40 Jahren an Krebs starb. Diese Erfahrung führte die damals Jugendliche zu existenziellen Fragen nach Sinn, Vergänglichkeit und Gottes Gegenwart.
Auf ihrer weiteren Suche fand sie schließlich zur Spiritualität der Salvatorianerinnen. Besonders die Erfahrung eines glaubenden Vertrauens und die Begegnung mit einem „Gott, der dem Menschen entgegenlächelt“, hätten sie tief geprägt, so die Ordensfrau. Die Entscheidung für das Ordensleben sei Schritt für Schritt gereift und aus dem Wunsch entstanden, sich ganz auf diesen Weg einzulassen.
Einen besonderen Raum nahm im Gespräch auch die Auseinandersetzung mit Krisenerfahrungen ein. Sr. Heidrun Bauer berichtete von einer schweren Lebensphase rund um ihren 30. Geburtstag, die von Depression, innerer Leere und existenziellen Fragen geprägt war. Gerade in dieser Zeit entdeckte sie die Schriften großer Mystikerinnen und Mystiker wie Teresa von Ávila oder Johannes vom Kreuz. Das Malen und Schreiben wurde für sie zu einem Weg zurück ins Leben und zugleich zu einem Ausdruck ihrer spirituellen Erfahrung.
Kunst als Ausdruck innerer Erfahrung
Peter Maurer griff in seinen Beiträgen immer wieder den Gedanken auf, dass Mystik nichts Abgehobenes oder Elitäres sei, sondern eine grundlegende menschliche Erfahrung. Gotteserfahrung ereigne sich mitten im Alltag, in Sehnsucht, Liebe, Krisen und Hoffnung. In einer Zeit großer gesellschaftlicher Veränderungen brauche es Räume, in denen Menschen ihrer inneren Stimme und dem Geheimnis Gottes neu begegnen können.

Sr. Heidrun Bauer und das "Weihnachtsbild". (c) Salvatorianer/Manu Nitsch
Auch die geistliche Begleitung, die Sr. Heidrun Bauer heute anbietet, war Thema des Gesprächs. Dabei gehe es nicht um fertige Antworten oder vorgegebene Wege, sondern darum, Menschen einen offenen Raum zu schenken, in dem sie mit ihren Fragen, Sehnsüchten und Verletzungen da sein dürfen. Geistliche Begleitung verstehe sie als behutsames Mitgehen auf einem gemeinsamen Weg der Suche.
Die ausgestellten Werke spiegeln diese Haltung wider. Ihre Bilder und Texte laden dazu ein, innezuhalten, genauer wahrzunehmen und sich auf die eigene innere Wirklichkeit einzulassen. Kunst wird dabei zum Ausdruck einer persönlichen Suche nach Gott und zugleich zu einer Einladung, dem göttlichen Geheimnis im eigenen Leben nachzuspüren.
Die Ausstellung „Wege nach innen – dem Göttlichen Geheimnis auf der Spur“ ist noch bis 20. Juni 2026 im Bildungszentrum St. Bernhard in Wiener Neustadt zu sehen.
Robert Sonnleitner



