Rund 100 Gäste folgten der Einladung der Salvatorianerinnen, das Jubiläum „100 Jahre österreichische Provinz“ gemeinsam zu feiern. Unter dem Leitwort „Aus dem Leben für das Leben“ wurde dabei nicht nur auf die Geschichte der Gemeinschaft zurückgeblickt. Vielmehr stand die Frage im Mittelpunkt, wie salvatorianisches Leben und Wirken heute gestaltet wird und welche prophetischen Impulse es für Kirche und Gesellschaft geben kann.
Ein Jubiläum lädt dazu ein, innezuhalten, Dankbarkeit auszudrücken und das Erreichte wertzuschätzen. Für die Salvatorianerinnen bedeutet Feiern jedoch mehr als Erinnerung. Ausgehend von den Herausforderungen der Gegenwart richtet sich der Blick bewusst auf das, was heute notwendig ist und auch morgen Sinn stiften kann.
Die österreichische Provinz ist an verschiedenen Orten präsent. Neben dem Provinzhaus in Wien engagieren sich die Schwestern im St. Josef Krankenhaus, in der Seelsorge, in sozialen Einrichtungen, in der Begleitung von Menschen, in Bildungsprojekten sowie in zahlreichen ehrenamtlichen Diensten. Weitere Gemeinschaften leben und wirken in Pitten, Kalwang, Mariazell und Linz.
In Wort und Bild stellte Provinzleiterin Sr. Patricia Erber SDS die heutigen Wirkungsorte der Salvatorianerinnen vor. Deutlich wurde dabei die große Vielfalt der Aufgaben. Schwestern arbeiten in Pflege und Krankenhausseelsorge, engagieren sich in Leitungsfunktionen kirchlicher Einrichtungen, begleiten Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen oder setzen sich für benachteiligte Gruppen ein.

Sr. Patricia Erber: "Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt jenen Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen." (c) Martin Maria Eder
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei jenen Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen. Dazu gehören die Begleitung von Asylwerbenden ebenso wie das langjährige Engagement gegen Frauen- und Mädchenhandel. Gleichzeitig leisten die Salvatorianerinnen wichtige Wertearbeit in ihren Einrichtungen, etwa im St. Josef Krankenhaus, im Bildungscampus Salvator Kaisermühlen oder im Pflegeheim Mater Salvatoris in Pitten.
Sr. Edith Bramberger SDS weitete den Horizont über die Grenzen Österreichs hinaus. Als internationale Ordensgemeinschaft tragen die Salvatorianerinnen Verantwortung für Menschen auf mehreren Kontinenten. Durch Spenden und Projektpartnerschaften werden unter anderem Schulen und Gesundheitseinrichtungen im Kongo unterstützt.
Diese weltweite Verbundenheit gehört wesentlich zur salvatorianischen Identität. Sie macht deutlich, dass christliches Handeln immer auch globale Verantwortung bedeutet.
Den inhaltlichen Höhepunkt bildete der Vortrag von Ass.-Prof. Dr. Michaela Quast-Neulinger von der Universität Innsbruck. Unter dem Titel „Spuren des Prophetischen in unruhigen und beunruhigenden Zeiten“ stellte sie die Frage, wie prophetisches Handeln heute aussehen kann.

Michaela Quast-Neulinger: "Prophetisches Handeln bedeutet nicht, Macht auszuüben, sondern kritisch hinzuschauen, Verantwortung zu übernehmen und Zukunftsperspektiven zu eröffnen." (c) Martin Maria Eder
Ausgehend vom Wort Jesu „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Mt 7,15–20) analysierte sie gesellschaftliche Entwicklungen, die Demokratie, Menschenrechte und gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden. Sie zeigte auf, wie Macht missbraucht, Religion für politische Interessen instrumentalisiert und Menschen gegeneinander ausgespielt werden.
Prophetisches Handeln bedeutet nach Quast-Neulinger nicht, Macht auszuüben, sondern kritisch hinzuschauen, Verantwortung zu übernehmen und Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Gefragt seien Menschen, die berührbar bleiben, Missstände benennen und sich für Gerechtigkeit, Solidarität und Menschenwürde einsetzen.
Ihr Appell richtete sich an alle Menschen guten Willens: Christinnen und Christen, Angehörige anderer Religionen und alle, die Verantwortung für das Zusammenleben übernehmen wollen. Gerade heute brauche es Wachheit, Mut und die Bereitschaft, gemeinsam an einer menschenwürdigen Gesellschaft mitzuwirken.
Am Ende des Festtages blieb vor allem ein Eindruck: Die Salvatorianerinnen gestalten auch nach 100 Jahren ihre Sendung mit Kreativität, Offenheit und Engagement. Ihr vielfältiges Wirken zeigt, dass das Leitwort „Aus dem Leben für das Leben“ weit mehr ist als ein Jubiläumsmotto. Es beschreibt eine Haltung, die Menschen begleitet, stärkt und Hoffnung schenkt.
Oder, wie es die Referentin Dr. Michaela Quast-Neulinger zusammenfasste: „Es war echt schön mit euch – sehr ermutigend.“