P. Gabriel da Costa SDS blickt auf sein erstes Jahr als Missionspriester in Temeswar zurück.
© Salvatorianer / P. Gabriel da Costa SDS blickt auf sein erstes Jahr als Missionspriester in Temeswar zurück.

Mein Weg begann viel früher. 2012 verließ ich Timor-Leste und verbrachte im Rahmen meiner Ausbildung als Salvatorianer fünf Jahre auf den Philippinen und sechs Jahre in Rom. Vor zwei Jahren wurde ich zum Priester geweiht. In Timișoara entdecke ich nun, wie Priestersein und Missionsleben im Alltag aussehen.

 

Ankommen in einer neuen Heimat

Bin ich angekommen? Ich glaube, ja. Herausforderungen gab es natürlich, allen voran das Rumänische. Manchmal klappt es sehr gut, manchmal erinnert es mich daran, dass noch viel Arbeit vor mir liegt. Doch die Menschen sind geduldig, freundlich und herzlich, und nach einem Jahr ist mir die Stadt vertraut geworden.

 

Ich bin Kaplan der Pfarre, in der ich lebe: der römisch-katholischen Pfarre Timișoara III Elisabetin zum Heiligsten Herzen Jesu. Meine Tage sind abwechslungsreich: Messe feiern, predigen, Beichte hören, bei Sakramenten und Pfarraktivitäten mithelfen und einfach da sein, wenn jemand einen Priester braucht. Ich lerne, dass die Seelsorge vieles lehrt, was in keinem Buch steht. Jeder Mensch hat seine Geschichte, und oft ist das Wichtigste, einfach zuzuhören. 

 

Viele Nationen an einem Altar 

Besonders schön ist die Begleitung der internationalen Katholiken in Timișoara: Studierende aus anderen Teilen Europas ebenso wie Menschen, die zum Arbeiten gekommen sind, vor allem von den Philippinen, aus Sri Lanka und aus afrikanischen Ländern. Sonntags feiern wir die Messe auf Englisch. Es berührt mich, so viele Nationen um einen Altar versammelt zu sehen: verschiedene Sprachen, Kulturen und Geschichten, und doch beten wir gemeinsam und feiern wir gemeinsam dieselbe Eucharistie. Ich weiß selbst ein wenig, was es heißt, die Heimat zu verlassen und Vertrautes zu vermissen.

 

Und ein gewöhnlicher Tag? Nichts Außergewöhnliches: Gebet, Gemeinschaftsleben mit meinen Mitbrüdern, Pfarrarbeit, Predigt- und Gottesdienstvorbereitung, Begegnungen und Rumänischlernen, aber auch einfache Gespräche, gemeinsame Mahlzeiten und Lachen. Gerade in diesen alltäglichen Dingen zeigt sich oft das Missionsleben. Timor-Leste wird immer meine Heimat bleiben. Die Philippinen und Rom waren wichtige Orte meiner Ausbildung. Timișoara, diese schöne, lebendige und multikulturelle Stadt, ist der Ort, an dem ich lerne, all das in die Praxis umzusetzen. Und ich merke: Das Lernen ist nicht vorbei. Vielleicht hat nur ein neues Kapitel begonnen.

 

Nach meinem ersten Jahr empfinde ich vor allem Dankbarkeit: gegenüber Gott für meine Berufung, gegenüber meiner salvatorianischen Gemeinschaft und gegenüber den Menschen, zu denen ich gesandt bin. Ich kam als junger Missionspriester nach Timișoara, bereit zu geben, was ich kann. Doch schon jetzt weiß ich: In der Mission geben wir nicht nur. Wir empfangen, lernen und wachsen durch die Menschen, die Gott uns auf den Weg stellt.


Der Artikel stammt aus "die Salvatorianer" 2/26.

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