Podcast Nr. 14, zu Gast ist Martin Kolozs
Salvatorianer / Podcast Nr. 14, zu Gast ist Martin Kolozs

Mit P. Paulus Weinschrott setzt der Podcast „Weiter denken – weiter gehen“ seine Reihe über die Märtyrer der Salvatorianer fort. Gastgeber Robert Sonnleitner spricht dazu mit Martin Kolozs, Schriftsteller und Mitarbeiter im Archiv der Salvatorianer. Gemeinsam zeichnen sie das Leben eines Mannes nach, der aus seinem Glauben heraus bereit war, für Wahrheit, Gerechtigkeit und die Würde des Menschen einzustehen.

 

Hier hören Sie den Podcast Nr. 14 zum Thema P. Paulus Weinschrott

 

Vom Knabenkonvikt zum angesehenen Seelsorger

Im Gespräch schildert Martin Kolozs den Lebensweg des 1919 geborenen Paulus Weinschrott. Schon als Jugendlicher kam er mit den Salvatorianern in Kontakt, besuchte deren Schule und trat nach der Matura in das Noviziat ein. Bereits damals beschrieben ihn Mitbrüder als vorbildlichen jungen Ordensmann, manche sogar als „heiligmäßig“. Später wirkte er als Priester und Kaplan, vor allem in Temeswar, wo er sich als Prediger, Beichtvater und Seelsorger einen hervorragenden Ruf erwarb.

Besonders junge Menschen fühlten sich von ihm angezogen. Seine Verkündigung war glaubwürdig, weil sie aus einem tief gelebten Glauben heraus entstand. Im gesamten Bistum galt er als außergewöhnlicher Seelsorger, dessen Einfluss weit über seine eigene Pfarre hinausreichte.

 

Ein Priester im kommunistischen Rumänien

Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich in Rumänien ein kommunistisches Regime, das der Kirche und religiösen Gemeinschaften mit großem Misstrauen begegnete. Geistliche, die öffentlich wirkten und Menschen Orientierung gaben, gerieten rasch unter Beobachtung.

Wie Martin Kolozs erläutert, machte gerade Weinschrotts Beliebtheit ihn für die Securitate verdächtig. Seine Predigten, seine Unterstützung von Verfolgten und seine klare Haltung gegenüber Ungerechtigkeit wurden vom Regime als Bedrohung wahrgenommen.

„Paulus Weinschrott verfügte über ein ausgeprägtes Gespür für Ungerechtigkeit und war zugleich von großem spirituellem Eifer erfüllt.“

Aus seiner christlichen Überzeugung heraus stellte er sich gegen die Missstände seiner Zeit. Gerade das machte ihn für die kommunistischen Machthaber gefährlich.

 

Verhaftung, Prozess und Haft

1958 wurde Paulus Weinschrott verhaftet. Predigten und religiöse Schriften wurden beschlagnahmt und gegen ihn verwendet. Auf dieser Grundlage konstruierten die Behörden einen Prozess, der nach heutigen Maßstäben kaum rechtsstaatlichen Anforderungen entsprach.

Entlastungszeugen wurden nicht zugelassen, stattdessen stützte sich die Anklage ausschließlich auf Belastungsmaterial. Nach zahlreichen Verhören und Misshandlungen wurde Weinschrott zu insgesamt 16 Jahren Haft verurteilt. Sein eigentliches „Verbrechen“ bestand darin, Menschen Hoffnung zu geben, Verfolgte zu unterstützen und Missstände offen anzusprechen.

Für Kolozs steht fest, dass Weinschrott bewusst an der Seite jener stand, die entrechtet und verfolgt wurden:

„Er stellte sich bewusst an die Seite der Entrechteten, der Verfolgten und der zu Unrecht Inhaftierten.“

Damit wurde er selbst zum Ziel staatlicher Verfolgung.

 

Das „unblutige Martyrium“

Besonders eindrücklich schildert Martin Kolozs im Gespräch den Leidensweg des Priesters im Gefängnis. Weinschrott wurde nicht hingerichtet. Er starb 1960 an den Folgen der unmenschlichen Haftbedingungen, die seine Gesundheit zunehmend zerstörten.

Kolozs spricht deshalb von einem „unblutigen Martyrium“. Für ihn steht Weinschrott in einer Reihe mit jenen Glaubenszeugen, die trotz Verfolgung und Lebensgefahr ihren Überzeugungen treu geblieben sind.

„Ein solches unblutiges Martyrium steht dem klassischen Blutzeugnis um nichts nach.“

Weinschrott habe gewusst, welches Risiko er einging. Dennoch widerrief er seine Überzeugungen niemals. Er blieb seinem Auftrag treu, für Wahrheit, Nächstenliebe und Menschenwürde einzustehen.

 

Vergebung bis zum letzten Atemzug

Ein bewegender Teil der Podcastfolge widmet sich den Berichten über Weinschrotts letzte Stunden. Mehrere Zeugen berichteten später, dass er seinen Gefängniswärtern und Verfolgern ausdrücklich vergeben wollte.

Für Martin Kolozs gehört gerade diese Haltung zu den stärksten Zeichen seines Glaubens.

„Die Bereitschaft, angesichts des eigenen Todes auf Vergeltung zu verzichten und stattdessen Vergebung zu schenken, bringt ihn dem klassischen Bild eines Märtyrers sehr nahe.“

Nicht Hass oder Bitterkeit, sondern Versöhnung prägten sein Handeln bis zuletzt. Gerade deshalb sehen viele in ihm einen Glaubenszeugen von außergewöhnlicher Größe.

 

Aktuelle Bemühungen um eine Seligsprechung

Innerhalb der Salvatorianer gibt es seit Jahren Bemühungen, einen Seligsprechungsprozess für Paulus Weinschrott voranzubringen. Frühere Initiativen wurden zwar aufgeschoben, doch das Interesse an seinem Leben und Zeugnis ist ungebrochen.

Besonders in Rumänien bemüht man sich heute, die Erinnerung an ihn wachzuhalten und sein Vermächtnis stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Weinschrott gilt vielen als Vorbild für Zivilcourage, Standhaftigkeit und friedlichen Widerstand gegen Unrecht.

Zu seinen wichtigsten Fürsprechern zählt der ehemalige Bischof von Temeswar, Martin Roos, der Weinschrott noch persönlich kannte und später intensiv über ihn forschte. Für Roos wie für viele andere liegt die Bedeutung Weinschrotts vor allem in der geistlichen Kraft, die sein Leben getragen hat.

 

Warum Paulus Weinschrott heute noch wichtig ist

Im letzten Teil des Gesprächs sprechen Robert Sonnleitner und Martin Kolozs darüber, warum Persönlichkeiten wie Paulus Weinschrott auch heute relevant bleiben.

Für Kolozs ist Weinschrott vor allem ein Beispiel für gelebte Zivilcourage. Besonders beeindruckt ihn die geistliche Quelle, aus der dieser Salvatorianer schöpfte:

„Seine Kraftquelle war der Glaube an Jesus Christus, der Glaube an die Vergebung und der Glaube an die Frohe Botschaft.“

Gerade deshalb sei Weinschrott bis heute aktuell. Er habe gezeigt, dass man Unrecht widersprechen könne, ohne selbst Gewalt anzuwenden. Sein Leben sei ein Zeugnis dafür, dass christlicher Glaube immer auch Verantwortung für andere Menschen bedeutet.

 

Die ganze Folge anhören

Die aktuelle Episode von „Weiter denken – weiter gehen“, dem Podcast der Salvatorianer, ist auf allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar. Gastgeber Robert Sonnleitner spricht mit Martin Kolozs über das Leben, Leiden und Vermächtnis von P. Paulus Weinschrott SDS – einem Salvatorianer, dessen Zeugnis bis heute nachwirkt.

Zum Abschluss bringt Martin Kolozs die bleibende Bedeutung solcher Glaubenszeugen mit einem Gedanken auf den Punkt:

„Manchmal hat ein Nein, das jemand gegen das Unrecht ausspricht, ein so starkes Echo, dass es bis heute nachklingt.“

Vielleicht ist genau das das Vermächtnis von Paulus Weinschrott: ein mutiges Nein zum Unrecht und ein ebenso klares Ja zu Glaube, Menschenwürde und Versöhnung.

 

„Weiter gehen – weiter denken“: Der Podcast der Salvatorianer

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der österreichischen Provinz haben die Salvatorianer im März 2023 den Podcast „Weiter gehen – weiter denken“ ins Leben gerufen. Der Name ist dabei Programm: Salvatorianer, Salvatorianerinnen und Menschen aus ihrem Umfeld erzählen von ihrem Leben, ihrem Glauben und ihrem Engagement.

Der Podcast bietet spannende Einblicke in die salvatorianische Spiritualität, stellt bemerkenswerte Persönlichkeiten vor und macht sichtbar, wie vielfältig das Wirken der Salvatorianischen Familie heute ist. Dabei kommen Menschen zu Wort, die Kirche, Gesellschaft und Glauben auf ganz unterschiedliche Weise mitgestalten.

„Weiter gehen – weiter denken“ ist auf allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar.

 


Weiter lesen - weiter hören
- Martin Roos, em. Bischof von Temeswar: Pater Paulus Weinschrott (1919-1960). Erlebtes und Erfahrenes über einen heiligmäßigen Zeitzeugen. In: Martin Kolozs, Robert Passini und Peter van Meijl SDS (Hrsg).: Erweckte Begeisterung. 100 Jahre Österreichische Provinz der Salvatorianer (1923-2023). Linz: Wagner Verlag 2023, S. 327-335.

 

- Podcast Nr. 12: Erinnern, gedenken, erzählen: Die letzten Kriegstage in Mistelbach und das Opfer des P. Titus Helde

 

- Podcast Nr. 11: P. Titus Helde: Martyrium muss Bereitschaft zur Versöhnung haben