der Perfektionismus hat seine Tücken, sodass er mir letztlich erlaubt, nur Fragmente zu schicken. Vom 29. Juli an hat es jeden Tag mehrmals stark geregnet, sodass viele Straßen in Manila mehrmals überflutet waren. Jetzt hat sich das Wetter ein wenig beruhigt und ich habe mich entschlossen, den Brief als unvollkommenen zu senden. Das Update bis September kommt später.
Die Zeit vergeht schnell. Manche sagen, dass das ein Anzeichen des zunehmenden Alters sei. Es hat sich in den letzten drei Monaten nichts Außergewöhnliches ereignet, hätte ich noch vor zwei Monaten geschrieben. Außergewöhnlich war vielleicht, dass es bis Ende März relativ kühl und immer noch regnerisch war. Normalerweise beginnt die Trockenzeit im Januar. Januar und Februar sind noch relativ kühl. Dann startet die heiße Trockenzeit. Diese ließ heuer bis Ostern auf sich warten. Jetzt ist sie angekommen. Das Gras verdorrt. Die untersten Äste der Kokospalmen werden dürr und fallen ab, während sich die Palme nach oben hin erneuert und so jedes Jahr ein wenig wächst.
Die Kokospalme trägt das ganze Jahr Früchte in verschiedenen Stadien. Wir kennen die braune, harte Schale. Die jungen Früchte werden für den Palmwein verwendet. Das ist eine Art Schnaps. Von den großen Nüssen wird vor allem das Wasser getrunken, das gesund sein soll. Das Kokosfleisch kann leicht mit einem Löffel ausgeschabt werden. Von den reifen, bereits braunen Nüssen wird das Kokosfleisch vor allem fürs Kochen verwendet. Das Holz der Palme selbst ist wertvoll und sehr widerstandsfähig. Eine Kokospalme kann normalerweise nur mit behördlicher Erlaubnis geschnitten werden. Die Kokospalmen sind oft die einzigen Bäume, die einem starken Taifun widerstehen können. Man sagt, dass die Kokospalme einen Sturm von bis zu 250 km/h überstehen kann. Inzwischen sind unsere Bäume so hoch, dass sie nur noch von Professionisten geerntet werden können.

Priesterweihe in Naic: P. Richard und P. Lorensius gemeinsam mit dem Bischof nach ihrer Priesterweihe am 18. April in der Pfarrkirche von Naic auf den Philippinen. © P. Josef Wilfing SDS
Inzwischen ist doch einiges geschehen. Am 18. April wurden die Diakone P. Richard (ein Filipino) und P. Lorensius (Indonesien) in der Pfarrkirche von Naic zu Priestern geweiht. Die Thanksgiving-Messe in unserem Haus feierten sie am 23. April, als unsere Jugendgruppen im Haus waren. P. Richard wird in unserer Pfarre eingesetzt werden, P. Lorensius bekommt eine Aufgabe in seinem Heimatland Indonesien.
Am 30. März wurde das diesjährige Schuljahr mit der Graduierungsfeier abgeschlossen. Vier aus Ost-Timor haben mit einer Diplomarbeit abgeschlossen, die beiden Filipinos hatten bereits ein Studium absolviert und nur die nötigen Kurse in Philosophie belegt.

Vier Studenten aus Osttimor bei der Graduierungsfeier zum Abschluss des Schuljahres. © P. Josef Wilfing SDS
Brother Ramel (Phil.) hat die Umgebung des Hauses neu gestaltet. Da er nur wenige Kurse belegen musste, hatte er einige freie Zeit, die er für Gartenarbeit verwendet hat. Er hat seinen Heimaturlaub angetreten und wird im Juli mit dem Noviziat beginnen. Da hier alles sehr schnell wächst, kann eine solche Gestaltung bald überwuchert sein. Das wird von der weiteren Pflege abhängen.
Ein Student aus Ost-Timor hat uns vor dem Eintritt ins Noviziat verlassen. Beide Eltern sind krank und drei Geschwister gehen noch zur Schule. Als Ältester übernimmt er die Verantwortung, für die Familie zu sorgen.
Zum Trost eine erste Frucht.
Die Jackfruit. Die Frucht als Ganze ist groß. Sie bleibt lange am Baum und wird oft mit Plastiksäcken gegen Insekten geschützt, bis sie reif ist. Sie wird als Obst gegessen oder auch schon unreif geerntet und als Fleischersatz verwendet.
Die „Wunderfrucht“, deren Namen ich vergessen habe. Eine saure Frucht schmeckt süß, wenn man diese Frucht vorher gegessen hat.
Keine EinzelfälleIch bin mit einer Maturantin bekannt geworden, die ihre Familie organisieren muss. Der Vater ist wegen eines Herzinfarkts arbeitsunfähig. Die Mutter ist in den Emiraten, um Geld zu verdienen. Der Arbeitgeber bezahlt sie unregelmäßig und oft mit Verzögerung. Er kündigte ihr auch einmal, weil sie wegen Zahnschmerzen der Arbeit fernblieb. Die Großeltern sind Pensionisten. Die Großmutter braucht Sauerstoff und Medikamente. Zwei ältere Geschwister studieren an Colleges. Die Schwester hat inzwischen ihr Studium unterbrochen, um Geld zu verdienen. Eine weitere Schwester besucht die Mittelschule, der Kleinste ist drei Jahre alt und geht inzwischen in den Kindergarten.
Die Krankheiten des Vaters und der Großmutter erfordern immer wieder Krankenhausaufenthalte oder zumindest eine ambulante Untersuchung. Sie selbst hat mehrere gesundheitliche Probleme, die meines Erachtens aus den komplizierten familiären und finanziellen Umständen resultieren. Wenn das Geld von der Mutter nicht kommt, läuft sie zu Verwandten und Nachbarn, um Geld zu borgen. Weil arme Leute selten reiche Freunde haben, ist von den Verwandten und Nachbarn wenig zu erwarten. Ich frage mich: Wie kann diese Familie überleben? Und das ist sicher kein Einzelfall.
Ein zweites Beispiel: Die Tochter ist Lehrerin. Die Eltern sind geschieden. Der Vater ist krank und braucht teure Medikamente. Die Schwester hatte eine schwierige Geburt, die für sie und das Baby einen längeren Krankenhausaufenthalt erforderte. Das Gehalt geht zur Gänze für den Lebensunterhalt der Familie und den Kauf der Medikamente auf. Jeder Krankenhausaufenthalt bringt die sorgsam ausbalancierten Finanzen aus dem Gleichgewicht.
Die Spannungen mit China bestehen weiterhin, laufen aber unterhalb des öffentlichen Radars. Wer soll das Gas fördern dürfen, das man unlängst in der Westphilippinischen See gefunden hat? Wenn China ein gemeinsames Projekt vorschlägt, dann verstehe ich, dass dieses Gebiet nicht Teil der chinesischen ökonomischen Zone ist. Ich bin kein politischer Prophet, der die weitere Vorgehensweise voraussagen kann.
Währenddessen bestehen innenpolitische Probleme mit der Vizepräsidentin Sara Duterte, gegen die ein Amtsenthebungsverfahren läuft. Es geht um die nicht dokumentierte Verwendung von öffentlichen Geldern. Gleichzeitig werden gegen Präsident Marcos Vorwürfe hinsichtlich gesundheitlicher Probleme sowie des Drogenkonsums vorgebracht. Beides könnte wohl politisch motiviert sein, um die Zwischenwahlen (Mid-term) zu beeinflussen.
Mit herzlichen Grüßen. Bleibt gesund und zuversichtlich!
P. Josef
Talon, Amadeo, Philippinen,
zum 24. April 2026/16. Sep. 2026
PS: Die Oberbank hat mir das Konto gekündigt. Daher bitte nichts mehr dorthin überweisen. Vielen Dank an alle, die das Konto benutzt haben.
PPS: Jetzt ist doch noch etwas mit den Bildern geworden.