Anlässlich des Welttags gegen Menschenhandel am 30. Juli macht Sr. Maria Schlackl SDS auf die dramatische Situation von Opfern sexueller Ausbeutung in Österreich aufmerksam. Die Salvatorianerin und Expertin für Menschenhandel fordert eine Reform der gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie ein stärkeres gesellschaftliches Bewusstsein für die Ursachen und Folgen von Menschenhandel.
Viele Menschen unterschätzen, wie stark Österreich von Menschenhandel betroffen ist. Darauf weist Sr. Maria Schlackl, Initiatorin der Initiative „Aktiv gegen Menschenhandel – aktiv für Menschenwürde“, hin. Besonders betroffen sind Frauen und Mädchen aus dem Ausland, die in Österreich Opfer sexueller Ausbeutung werden. Nach ihren Angaben stammen mehr als 90 Prozent der Betroffenen nicht aus Österreich. Aktuelle Polizeiberichte zeigen zudem, dass zuletzt vermehrt Frauen aus China Opfer von Menschenhandel wurden.
Für Sr. Maria Schlackl ist klar: Sexuelle Ausbeutung entsteht nicht ohne Nachfrage. Wer sexuelle Dienstleistungen in Anspruch nimmt, trägt dazu bei, dass der Markt für Menschenhandel bestehen bleibt. Deshalb müssten nicht nur die Täter, sondern auch jene, die von diesem System profitieren, stärker in den Blick genommen werden. „Es geht um Menschen, nicht um Ware, die man konsumieren kann“, betont die Salvatorianerin.
Kritisch sieht sie auch die derzeitige Prostitutionsgesetzgebung in Österreich. Diese erleichtere nach ihrer Einschätzung die Ausbeutung von Frauen und blende den Zusammenhang zwischen Prostitution und Menschenhandel weitgehend aus. Auch den Begriff „Sexarbeit“ bewertet sie kritisch, weil er die Realität vieler Betroffener verschleiere, die unter Zwang oder durch Menschenhandel in die Prostitution geraten. Besorgniserregend sei zudem der Anstieg von Minderjährigen unter 14 Jahren, die Opfer von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung werden.
Neben gesetzlichen Reformen braucht es nach Ansicht von Sr. Maria Schlackl vor allem ein gesellschaftliches Umdenken. Sexistische Sprache, frauenverachtende Witze und digitale Formen sexualisierter Gewalt dürften nicht verharmlost werden. Aktuelle internationale Ermittlungen und Fälle aus Österreich und der Schweiz machten deutlich, wie vielfältig und erschreckend die Erscheinungsformen sexueller Ausbeutung heute seien.
Mit ihrer Initiative „Aktiv gegen Menschenhandel – aktiv für Menschenwürde“, die vom Verein SOLWODI getragen wird, setzt sich Sr. Maria Schlackl seit vielen Jahren für Aufklärung und Prävention ein. Vorträge, Diskussionsveranstaltungen und persönliche Gespräche machen auf den Zusammenhang zwischen Sexkauf und Menschenhandel aufmerksam und stärken das Bewusstsein für die Menschenwürde der Betroffenen.
Ein nächster Schwerpunkt ist die Fachtagung am 18. Oktober im ORF-Landesstudio Oberösterreich. Dort diskutieren Expertinnen und Experten über Ursachen und Folgen sexueller Ausbeutung sowie über notwendige politische und gesetzliche Maßnahmen.
SOLWODI („Solidarity with Women in Distress“) wurde 1985 von Sr. Lea Ackermann in Kenia gegründet. Der österreichische Verein entstand auf Initiative mehrerer Ordensgemeinschaften, darunter die Salvatorianerinnen, und begleitet Frauen, die von Menschenhandel, Gewalt und Ausbeutung betroffen sind. Ziel ist es, Betroffene auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu unterstützen und zugleich gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen.
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