Johann Baptist Jordan wurde am 16. Juni 1848 in Gurtweil bei Waldshut an der deutsch-schweizerischen Grenze geboren.
Während seines Studiums in Freiburg/Breisgau begann er im Jahre 1875 mit Eintragungen in ein Tagebuch. Einige Jahre später gründete er in Rom die „Apostolische Lehrgesellschaft" (1881), die in den beiden Ordensgemeinschaften der Salvatorianer und Salvatorianerinnen und der Gemeinschaft Salvatorianischer Laien bis heute weltweit wirksam ist.
Nachdem das Tagebuch lange Zeit hindurch nicht zugänglich war (Generalarchiv in Rom), wurde es seit etwa 30 Jahren in mehrere Sprachen übersetzt. Der Text des Tagebuches ermöglicht einen näheren Einblick in den geistlichen Reifungsprozess des Pater Franziskus Maria vom Kreuze Jordan, der am 8. September 1918 in Tafers bei Fribourg/Schweiz gestorben ist.
P. Jordan hat eine mögliche Veröffentlichung seines Tagebuches nie im Blick gehabt, sondern es diente ihm als Hilfsmittel und Kompass auf seinem Weg zur Heiligkeit und ist deshalb als Zeugnis des Herzens und diskrete „Geschichte einer Seele" zu lesen. Somit enthält dieses Tagebuch weniger historische Fakten als vielmehr Aufzeichnungen geistlicher Art, die das persönliche Verhältnis zu Gott bestimmen.
In diesem Sinn äußerte Pater Jordan auf dem Sterbebett, dass in seinem Tagebuch „nur Sachen zwischen ihm und dem lieben Gott" niedergeschrieben seien.
Das Tagebuch beinhaltet eine Fülle tief empfundener Gedanken, Eingebungen, Vorsätze und Gebete, die Pater Jordan in Büchern gelesen oder selbst formuliert hat. Sie alle zeigen die Schlichtheit, Tiefe und Aufrichtigkeit der religiösen Persönlichkeit des Gründers der salvatorianischen Gemeinschaften. Sie zeigen jedoch ebenso deutlich, wie ernst und konsequent Pater Jordan um sein geistliches Leben, seine Berufung und seine Sendung gerungen hat. Das geistige Leben Pater Jordans ist kein einmaliges Ereignis; es ist vielmehr ein längerer Reifungsprozess, der sich in drei Perioden aufteilen lässt:
1. Die Zeit des Suchens und Fragens nach dem göttlichen Willen in Bezug auf sein Lebensziel (1875 - 1880)
2. Die Zeit der Verwirklichung seiner Gründungen (1881 - 1915)
3. Die letzten Jahre seines inneren Reifens bis zu seinem Tod (1915 -1918)
Dementsprechend werden die privaten Aufzeichnungen Pater Jordans in der salvatorianischen Tradition als „Geistliches Tagebuch" bezeichnet.
(Aus: Documenta et Studia Salvatoriana, Tomus XXII:
Das Geistliche Tagebuch von Johann Baptist Jordan (1875 - 1918) , Faksimile und Transkription, Schnell und Steiner, Regensburg-Rom, 1999, Vorwort und Zum Geistlichen Tagebuch von Pater Jordan, VII bis IX)
Die erste Internet-Ausgabe des Geistlichen Tagebuches von P. Jordan gibt es unter:
http://berufe-kirche.ch/WP/