Druckansicht - Mittwoch 22. Februar 2012
Wenn Bruder Franz kommt, ist für den kleinen Alexander immer Nationalfeiertag

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Bruder Franz ist wieder unterwegs: Von 11. bis 14. Jänner 2012 führt er den aus zwei Fahrzeugen bestehenden Hilfstransport in das rumänische Temesvar. Die Ärztin Tanja Grabner berichtet von der Dezemberfahrt. >>mehr



Nachdem ich diesmal besser bei der Programmierung meines "Navis" aufpasste und nicht in der Wienerstraße in Wien sondern tatsächlich in jener in Margarethen am Moos landete, war die Anreise schon etwas entspannter als im Dezember vor 2 Jahren.
 
Mehr als drei Tonnen Hilfsgüter 
Als mir Bruder Franz erklärte, dass wir an die 1,5 Tonnen mit Hänger geladen haben und wir maximal 80 km/h fahren werden, stellte ich mich auf eine längere Fahrt ein. Zufällig erblickte ich auf dem Tacho kurz späte, dass wir doch etwas schneller unterwegs waren! Dazu meinte Franz nur, dass wir ja auch zu zweit sind...aber so ist Bruder Franz eben. Etwa 35 km nach Budapest erwarteten wir noch einen zweiten Bus, auch mit großem Anhänger, der aus Bad St. Leonhard in Kärnten kam. Nach etwa 7 Stunden Fahrt kamen wir im Kloster in Timişoara an.
 
Geld für Heizholz, Türen, Fenster und Lebensmittel 
Sofort nach dem Frühstück geht es nach Carani, der Tagesbetreuungsstätte für behinderte Kinder, mit der wir seit Jahren sehr eng zusammenarbeiten und unterstützen. Marius, der Leiter derselben und auch Margaretha, seine Mutter freuten sich sehr. Marius als örtlicher Projektleiter suchte die 15 von uns betreuten Familien aus und verwaltet auch die Hilfsmittel für diese. Vielen Familien wurde auch heuer wieder das Winterholz finanziert. Auch wenn dieses aufgrund des Preisunterschiedes schon im Sommer gekauft wird, kostet es viel und ist für die wenigsten erschwinglich. Eine Frau weint als wir kommen. Nachdem bei der Herbstfahrt festgestellt wurde, dass die Haustüre und die Fenster ihrer Stube total verfault waren, ließen wir eine Türe und Fenster in den Raum einbauen, in dem sie mit zwei weiteren Frauen und 6 Kindern, davon eines schwer behindert lebt. Das winzige Einkommen von ihr hätte dafür niemals ausgereicht. Margarita, die unsere Familien auf den Dörfern regelmäßig aufsucht, bezahlt monatlich die Rechnungen für das Brot und die Milch für die Kinder der Familien, wo sonst kein Geld zur Verfügung steht. Alles wird genau mit Belegen abgerechnet, um möglichst viel Transparenz für alle zu schaffen.
 

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Für Alexander ist "Nationalfeiertag" 
Für den 12 jährigen Alexander gibt es überhaupt keine Diskussion in die Schule zu gehen, wenn Bruder Franz kommt, denn für ihn ist dann immer Nationalfeiertag! Stundenlang wartete er in seinem Sonntagsgewand auf der Straße und läuft ganz aufgelöst neben unserem Bus her. Herzliche Umarmungen begleitet mit ein paar aufmunternden Worten, die trotz der sprachlichen Barriere beide problemlos verstehen.
 
 
 
Jugendfarm: Obdach und Arbeit für ehemalige Straßenkinder 
Auf der Jugendfarm herrscht mittlerweile Vollbetrieb. Dort finden ehemalige obdachlose Männer und Frauen nicht nur ein neues Zuhause sondern arbeiten auch in der Mühle, der Landwirtschaft und in den Werkstätten tatkräftig mit. Sie zählen zu den wenigen, die dadurch eine Chance auf eine bessere Zukunft haben. Große Freude bereiteten ihnen die mitgebrachten Hilfspakete, die mit Lebensmittel und auch Süßigkeiten gefüllt waren. Das ehemalige Straßenkind Marianna, heute 29 Jahre alt, fand Bruder Franz in den 90er Jahren im Kanal, schnüffelnd und vollkommen zugedröhnt mit Auro-Lack. Mittlerweile wohnt sie mit ihrem Mann und ihrem dritten Kind in einer Wohnung. Als wir das mehrstöckige Haus betreten, kommt uns ein beißender Geruch aus Rattenkot und Urin entgegen. Mühsam trägt ihr Mann, ebenfalls ein ehemaliges Straßenkind, das schwere Lebensmittelpaket in den vierten Stock hinauf in ihr Zimmer. Auch hier finden wir ein aufgeräumtes Zimmer vor. Alle wissen, wenn dies nicht der Fall ist, kommt keine Hilfe mehr.
 
Der Abschied ist wie jedes Mal schwer. Dennoch wissen wir, ein klein wenig des Leides gelindert zu haben und etliche Sorgen beseitigt zu haben.
Es gibt nichts Schöneres zu sehen, als dass die Hilfe tatsächlich ankommt. Vielen Dank lieber Bruder Franz, dass ich dich diesmal wieder begleiten durfte.
 
Tanja Grabner

WIEN, NÖ und STEIERMARK



Unterbrechung -  

„In der Stille und im Vertrauen liegt eure Kraft“

Samstag,

25.Februar 2012,

14 - 18 Uhr 

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